Wohnkultur JAPAN Teil 2: Kotatsu, Irori und Tokonoma

Posted: Aug 25, 2010 | Category: Wohnkultur

Während es in europäischen Häusern und Wohnungen immer dort warm sein soll, wo man sich auch bewegt, verhält es sich in Japan ganz anders.

Kotatsu: Beheizbare Tische

In Japan bewegt man sich dorthin, wo es warm ist, nämlich an einen bestimmten Ort, meist ist dies der Kotatsu, ein beheizbarer Tisch. Die meisten japanischen Häuser besitzen noch immer keine Zentralheizung, weshalb sich die Japaner im Winter sogenannter Insellösungen bedienen, deren Wärme jedoch auf einen bestimmten Ort begrenzt ist. Neben kleinen Ölöfen und Heizstrahlern ist dies immer noch der klassische Kotatsu: Eine größere, jedoch niedrige Tischplatte mit Gestell, in dessen Rahmen eine elektrische Heizung angebracht ist sowie einer Decke, die zwischen das Gestell und Platte geklemmt wird und bis weit auf den Boden reicht, um die erzeugte Wärme zu isolieren. Japaner schlüpfen mit ihrem Körper tief unter die Decke, um sich zu wärmen. Besonders praktisch ist hierbei, dass in der wärmenden Umgebung auch die Mahlzeiten eingenommen werden können. Der wichtigste Aspekt ist jedoch die soziale Geselligkeit, die um einen Kotatsu entsteht, wenn sich Kinder, Eltern und Großeltern versammeln, stundenlang gemeinsam reden, sich wärmen, Orangen als traditionelles Winterobst naschen und warme Getränke zu sich nehmen.

Irori: Bodentiefe Kochstelle

Elevated View of a Woman Scooping Water From a Bowl During a Japanese Tea Ceremony

Um köstliche Heißgetränke zuzubereiten gab es in traditionellen japanischen Häusern den so genannten Irori, einen in den Boden eingelassenen Herd. Heute ist diese Variante einer Koch- und Heizstelle fast gänzlich verschwunden oder findet sich in kleinerer Form nur noch in klassischen japanischen Teehäusern wieder.

Tokoma: Bildernische

Ein weiteres essentielles, jedoch ebenfalls meist nur in traditionellen japanischen Zimmern zu findendes Einrichtungselement, ist die Tokoma. Eine sogenannte Bildernische, oder auch fensterloser Erker, von etwa 50 Zentimetern Tiefe und 1 bis 2 Zentimetern Breite. Diese Nische dient dem rein dekorativen Zweck, und ist etwa mit einer senkrecht hängenden Schriftrolle, oder Ikebana-Arrangements gestaltet, welches auch zu den Jahreszeiten wechseln kann. Die Tokonoma ist buddhistischen Ursprungs und entweder an der Ost- oder Westseite eines Raumes zu finden, damit das Südlicht seitlich auf die Tokonoma fällt. Besondere Gäste dürfen in einem traditionell eingerichteten japanischen Haus als Zeichen der Ehre der Tokonoma am nächsten sitzen.

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Wohnkultur JAPAN Teil 1: Fusuma, Sudare und Tatami

Posted: Aug 25, 2010 | Category: Wohnkultur
Japanese Room Wit Table, Chairs, Tatami Mat and Shohoji Doors

Kaum ein Land pflegt eine solch intensive Wohnkultur wie Japan. Jeder Bereich dieser Wohnkultur hat zugleich auch eine tiefergehende Bedeutung, die das Land und ihre Bewohner ebenso prägt und beeinflusst, wie mittlerweile auch große westliche Teile der Welt. Obwohl uns viele japanische Einrichtungselemente aus Film und Fernsehen bekannt sind, wissen wir kaum etwas von der näheren Bedeutung dieser uralten Einrichtungstradition.

Fusuma: Raumteiler

Sicherlich bekannte Wohnelemente sind die klassischen Schiebetüren und -wände, Fusuma genannt, die grundsätzlich in traditionellen japanischen Häusern zu finden sind und sich über die ganze Wandbreite und einer zwischen 1,70 bis 1,90 Meter Höhe erstrecken. Dahinter findet sich meist ein anderer Raum, oder auch ein Schrank oder eine Kammer. Eine westliche adaptierte Variante dieser Fusuma ist etwa der klassische Raumteiler, oder auch Paravent. Auf gewachsten Holzleisten an Boden- und Oberkante können die Schiebetüren, die aus einem etwa drei Zentimeter dicken Holzrahmen bestehen, gleitend geöffnet werden. Bespannt ist der Holzrahmen entweder mit einer Lage Pappe, oder dünnem milchig-transparentem Papier, welches auch „Shoji“ genannt wird. Nur an der Außenwand des Hauses befinden sich robuste, ebenfalls gleitende, Holztüren, um einen Schutz vor Naturgewalten zu bieten. Durch die sehr dünnen Wände sind alte japanische Häuser stark hellhörig, weshalb die modernen japanischen Generationen eine Wohnvariante mit festen, dicken Wänden und einer westlich orientierten Raumaufteilung bevorzugen.

Sudare: Jalousien

Ein anderes Wohnelement der japanischen Kultur ist die abnehmbare Jalousie, „Sudare“ genannt, die mehrfach an den Fassaden der Häuser angebracht ist. Diese Jalousien, zumeist aus Bambus gefertigt, können aufgerollt oder zusammengefaltet werden, und dienen dem Zweck Fenster oder Veranda vor Licht, Regen oder Insekten zu schützen. Meist im Frühling werden die Sudare angebracht, und etwa im Herbst wieder abgenommen. Die Produktion der Sudare ist heute ein altes, traditionelles Handwerk. Zum Einsatz kommen sie jedoch immer seltener, da moderne japanische Bauten die traditionellen Jalousien durch neue westliche und praktischere ersetzt haben.

Tatami: Reisstrohmatten

Ebenso bekannte Einrichtungselemente wie die Fusuma, sind die Tatami, Reisstrohmatten. In traditionell gestalteten Zimmern werden sie als Fußboden verwendet, und nachts, nach dem Ausbreiten des Futons, als Schlafstätte genutzt. Weil Tatami eine sehr empfindliche Oberfläche besitzen, werden sie generell nur mit Socken, oder Barfuß betreten. Tatami sind etwa 5,5 Zentimeter dick und bestehen aus fest gebundenem Reisstroh auf Binsenmatten, die mit seitlich vernähten Baumwollbändern fixiert werden. Im Laufe der Zeit verändert sich die ursprünglich grünlichere Farbgebung der Tatami in ein leichtes Gelb-Braun. Dieser natürliche Alterungsprozess hat in Japan eine besondere Bedeutung, da er für Leben und Geschichte der Tatami steht.

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